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Watzmann und Meike

October 6, 2019

 

Unsere Geschichte 

 

Ich war ein einfaches Pferdemädchen, welches den Traum eines eigenen Pferdes mit sich trug. Er war ein Fohlen, welches dem Tod bereits mit einem Auge entgegensah.

 

Doch beginnen wir am Anfang.

 

Meine Eltern versprachen mir einst, da ich sie so häufig damit zu textete und anbettelte, dass ich, wenn ich 16 Jahre alt bin mein eigenes Pferd bekommen würde. Ich träumte also immer so vor mich hin, malte mir mein „perfektes“ Pferd aus, überlegte was wir alles so Schönes gemeinsam machen könnten und trainierte fleißig mit der Vorfreude im Hinterkopf, um auch reiterlich einem Pferd gerecht werden zu können. 

 

Tja und dann kam alles anders – und besser als je gedacht.     

 

Eines Tages schaute ich online so durch meine Facebook-Seite und stieß währenddessen auf eine Vermittlungs- und Rettungsseite von schlachtbedrohten Pferden. Naja, und dann war es um mich geschehen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir unter „meinem“ Pferd stets ein großes, gut ausgebildetes Warmblut mit einer tollen Abstammung vorgestellt – was irgendwie absolut schwachsinnig und oberflächlich klingt.                                                                                                                                         

Doch als ich die Anzeige von meinem kleinen Haflinger sah und las, war dieser Gedankengang absolut binnen von Sekunden verschwunden.

 

Der Zeitpunkt war zum Almabtrieb hin, den Sommer über durften die Kleinen ein wirklich traumhaftes Leben auf riesigen und weiten Almen verbringen, doch dann beginnt der Herbst und der kalte Winter steht in den Startlöchern. Sie sind jedoch gewachsen, größer geworden und der Stall war sowieso letztes Jahr schon voll. Sie müssen weg! 

 

Wie jedes Jahr.

 

… ein paar, so auch mein Watzmann, werden dem Südtiroler Haflinger Pferdezuchtverband vorgestellt und dann, im Alter von 6-7 Monaten, systematisch aussortiert. Jene, die nur „gewöhnliche“ Gänge, irgendwo einen Fleck oder ein anderes winziges Makel haben gehen meist von dort aus direkt zum Schlachter, wenige bekommen die Chance einer Vermittlung, verbunden mit einem, im wahrsten Sinne des Wortes, Deadline-Datum. 

 

Und er sollte sogar zuerst dortbleiben, zog sich dann aber durch einen Tritt auf der Alm eine oberflächliche Augenverletzung zu, die nicht schlimm war, schnell verheilte und lediglich eine kleine, trübe Stelle an seinem rechten Auge hinterließ und ihn keines Wegs einschränkt - doch dies sollte sein Todesurteil ausmachen. 

 

Ich las also mehrere dieser Anzeigen, informierte mich nochmal ausführlich mit der Thematik, und jede einzelne berührte mein Herz und ließ mich mehr und mehr während des Lesens in mein Tränenmeer versinken. Und um ehrlich zu sein, ich fand auf den Bildern meinen Watzmann damals nicht mal optisch den „Schönsten“ von den verlorenen, kleinen Seelen – aber mein Herz sagte direkt, dass er es ist.

 

Ich sah seine Anzeige auch keine Sekunde zu früh. Es war ein Donnerstag, der 19.09.2017, und am Montag wäre er bereits unwissend seine letzte Reise angetreten. Ich schrieb mit der lieben Dame, die sich für all die Fohlen einsetzt, und redete mit meinen Eltern. Diese aber meinten, dass es nicht ginge und ich mir lieber in 2 Jahren, wenn ich dann 16 Jahre bin, ein „vernünftiges“ Pferd aussuchen solle. Das traf mich tief.

 

Die nächsten zwei Wochen sprach ich daheim mit keinem, war in meinen trüben Gedanken vertieft. Wieso war die Welt so grausam? Und natürlich hätte ich sie nicht alle retten können, so gerne man das möchte, aber wenigstens das kleine Haflingerhengstfohlen Watzmann…

 

Am 07.10.2017 änderte sich dann alles schlagartig. Meine Schwester lud mich in ein Shopping Center ein, um meine Stimmung aufzuheitern. Wirklich Lust hatte ich nicht, aber sie blieb hartnäckig. Auf dem Weg dorthin rief uns auf einmal die Stallbesitzerin des Stalles an welchem ich Unterricht nahm an und fragte, da wir sehr nahe an diesem wohnten, ob wir den Stromzaun anmachen könnten, da sie dies vergessen hatte bevor sie fuhr und die Herde sonst über den Zaun ginge. Wir fuhren also flott zum Stall - und dann war ich komplett irritiert. Am Stall fuhr vor uns gerade ein Hänger auf den Hof, die Stallbesitzerin war zudem ebenfalls auf dem Hof. Alles ergab für mich keinen Sinn und als der Fahrer mich dann auch noch bat ihm beim Ausladen zu helfen verstand ich gar nichts mehr. Er öffnete die vordere Tür des Hängers und heraus kam ein kleiner, neugieriger, blonder, knuffiger Pferdekopf, den ich die vergangenen Wochen über stets in meinem Kopf hatte. Ich brachte ein ersticktes „ist das Watzmann?!“ hervor und umfiel ihn mit einer Umarmung. 

 

Und das ist erst der Anfang unserer Geschichte…

 

Nun bin ich 16 und Watzmann 2 Jahre alt. Hinter uns liegt bereits ein Stück unseres gemeinsamen Weges, der geprägt von Höhen und Tiefen war. Ich bin gespannt auf alles was noch auf uns zukommt und möchte den Kleinen in meinem Leben nicht mehr missen. 

 

Mein Watzmann – du bist so ein großer starker Kerl, wie dein Name (*) schon verrät und ich freue mich darauf den Weg mit dir gemeinsam bis zum Ende zu gehen.

 

(*der Watzmann ist ein großer, mächtiger, wunderschöner Berg in Österreich, welchen ich sogar vor geraumer Zeit besuchte)

 

 

 

 

 

 

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October 6, 2019

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