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Rückblick auf meinen Einstieg in die internationale Turnierfotografie

  • Autorenbild: Johanna Milse
    Johanna Milse
  • vor 3 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Mit diesem Beitrag starte ich eine Blog-Serie, in der ich auf die Turniere zurückblicke, die meine Arbeit als Turnierfotografin nachhaltig geprägt haben. Den Anfang macht die OWL Challenge Paderborn 2021 – nicht als Nostalgie, sondern als Grundlage für vieles, was ich heute noch genauso umsetze.



Mein Einstieg in die internationale Turnierfotografie

 

Das große internationale Reitturnier auf dem Paderborner Schützenplatz war bekannt für Top-Sport, große Namen und eine hochprofessionelle Organisation. Für mich und meine Arbeit als Turnierfotografin war dieses Event im Jahr 2021 jedoch noch mehr: ein echter Wendepunkt. Zum ersten Mal war ich nicht „nur“ als Zuschauerin oder freie Fotografin vor Ort, sondern offiziell beauftragt als Turnierfotografin des Veranstalters bei einem internationalen Reitturnier.

 

Rückblickend war dieser Auftrag der Moment, in dem aus „Ich fotografiere Turniere“ ein professionelles Selbstverständnis wurde. Genau deshalb eignet sich die OWL Challenge Paderborn perfekt als Einstieg in meine Blog-Serie – und als ehrlicher Behind-the-Scenes-Einblick in die Eventfotografie im Reitsport.

 

Die zentrale Frage, die sich viele Nachwuchsfotograf:innen und auch Veranstalter stellen:

Wie kommt man überhaupt an solche Aufträge – und was passiert dann wirklich hinter den Kulissen?

 

Ein Pferd schaut frontal in die Kamera, mit Siegerdecke und Siegerschleife

 


Wie ich den Auftrag bekommen habe

 

Der Einstieg kam nicht über eine klassische Bewerbung. Vielmehr ergab sich der Auftrag aus einer besonderen Situation: Für die OWL Challenge Paderborn waren die ursprünglich eingeplanten Turnierfotografen kurzfristig nicht verfügbar. Corona-bedingte Terminverschiebungen führten dazu, dass die OWL Challenge zeitgleich mit der Dressur-Europameisterschaft stattfand. Zusätzlich musste das Turnier durch den Wegfall des Hauptsponsors kleiner ausfallen als in den Jahren zuvor.

 

Es wurde also ein neuer Fotograf gesucht – jemand, der sowohl technisch und fachlich als auch sportlich-inhaltlich sicher agieren konnte. Jemand, der die internationalen Größen ebenso kennt wie die regionalen Top-Reiter.

 

 

Doch wie kam man ausgerechnet auf mich?

 

Ich hatte bereits zwei Jahre zuvor einen kleineren Auftrag für die Turniergemeinschaft Paderborn und Region im Rahmen der OWL Challenge übernommen – und zuverlässig abgeliefert. Diese Arbeit blieb im Gedächtnis und führte letztlich zu einer Weiterempfehlung für den großen Einsatz.

 

Die Event-Agentur des Turniers nahm Kontakt mit mir auf, die wichtigsten Punkte wurden telefonisch besprochen. Innerhalb kurzer Zeit musste ich realistisch einschätzen, ob ich den Auftrag technisch und organisatorisch stemmen kann.

 

Gerade bei internationalen Reitturnieren ist Professionalität kein Bonus, sondern Voraussetzung. Klare Kommunikation, realistische Einschätzungen und ein ruhiges Auftreten waren entscheidend.

 

Im Reitsport gilt: Veranstalter buchen verlässliche Menschen, denen sie vertrauen – nicht nur Portfolios.

 

Ein weißes Pferd über einem Hindernis, davor ein weiterer Reiter auf seinem Pferd

 


Was ich vorher nicht wusste

 

So gut ich vorbereitet war – einige Aspekte der internationalen Eventfotografie im Reitsport haben mich dennoch überrascht ..und im ersten Moment auch ein bisschen eiskalt erwischt.

 


Professionelle Eventfotografie: Fotos sind kein Wunschkonzert

 

Vorher hatte ich vor allem das fotografiert, was mir wichtig erschien: Dynamik, Emotionen, besondere Details. Bei einem internationalen Turnier gibt es jedoch konkrete Fotolisten mit klar definierten Must-haves.

 

Ein typisches Beispiel: Das Foto des Siegers oder der Siegerin über dem Hindernis des Sponsors der jeweiligen Prüfung. Unabhängig von Licht, Hintergrund oder persönlichem Geschmack – dieses Bild muss im Kasten sein. Da in einem Fehler-Zeit-Springen potenziell jeder gewinnen könnte muss man also, vom ersten bis zum letzten Starter, sehr konzentriert das Sponsorenhindernis im Fokus haben.

 

Gute Fotos werden hier neu definiert. Ein ästhetisch perfektes Bild ist wertlos, wenn das Sponsorenlogo auf der Siegerdecke nicht sichtbar ist.

 

Kreativität ist erlaubt – aber erst, wenn die Pflichtaufnahmen sicher erledigt sind.

 

 

Presseanforderungen haben absolute Priorität

 

Pressebilder müssen sehr schnell verfügbar sein (nach Möglichkeit direkt nach der Siegerehrung), korrekt benannt werden und pressetauglich bearbeitet sein.

 

Hier zählt nicht das Lieblingsmotiv, sondern das richtige Motiv. Sieger und Sponsorenlogos – idealerweise gemeinsam auf einem Bild – stehen an oberster Stelle.

 

 

Social Media bestimmt mit

 

Ein großer Teil der Eventfotografie im Reitsport entsteht heute für Social Media. Auch hierfür gibt es klare Vorgaben, allerdings mit etwas mehr kreativem Spielraum.

 

Emotionen, Behind the Scenes, kurze Videosequenzen – diese Inhalte funktionieren besonders gut. Gleichzeitig gilt auch hier: Schnelligkeit ist entscheidend.

 


Ein Reiter küsst den Hals seines Pferdes nach dem Springparcours

 


Dokumentationsfotos – ein oft unterschätzter Teil der Arbeit

 

Sponsoren investieren erhebliche Summen in ihre Präsenz auf dem Turnier. Diese Sichtbarkeit muss vollständig dokumentiert werden: Bandenwerbung (auch auf Abreiteplätzen), Werbetafeln und Fahnen (auch außerhalb des Geländes), Videowalls (ja richtig verstanden, ich mache viele Fotos von der Videowall), Messestände, Ehrenpreise..

 

Zusätzlich ist der Hindernisplan essenziell. Manche Sponsorenhindernisse werden nur für eine einzige Prüfung aufgebaut. Dieses Dokumentationsfoto darf man nicht verpassen.

 

 

 

Technik & Belastung: Die unsichtbare Seite der Turnierfotografie

 

Internationale Reitturniere sind fotografisch kein Sprint, sondern ein Marathon – oft gefühlt ein Marathon im Sprinttempo.

 

Datenmengen

 

Mehrere Tausend Bilder pro Tag sind realistisch. Für 4-5 Tage. Das erfordert:

 

* konsequente Bildauswahl

* strukturierte Ablagesysteme

* klar definierte Workflows

 

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Backup ist nicht optional

 

Ich habe bei diesem Event sehr deutlich gelernt: Ohne redundante Datensicherung und Backup-Equipment schläft man nicht ruhig. Mehrere Speicherkarten, externe Festplatten, Backup-Kameras, Ersatzobjektive und Regenschutz gehören zur Grundausstattung. Auch ein kleines Reinigungskit und Werkzeug für Kamera können im Ernstfall entscheidend sein.

 

 

Lange Tage, wenig Pause

 

Turniertage beginnen mit Sonnenaufgang und enden, wenn das Flutlicht ausgeht. Konzentration, körperliche Belastung und permanenter Entscheidungsdruck laufen parallel.

 

Eventfotografie im Reitsport ist körperlich – und mental – anspruchsvoller, als viele vermuten.

 

Ein Springpferd mit seiner Reiterin im Parcours auf dem Weg zum Hindernis

 


Meine wichtigsten Learnings

 

Aus der OWL Challenge Paderborn 2021 nehme ich Learnings mit, die mich bis heute begleiten:

 

Professionalität schlägt Perfektion: Ein gutes Bild zur richtigen Zeit mit dem richtigen Motiv ist wertvoller als das perfekte Bild zu spät.

Vertrauen entsteht vor dem ersten Auslösen: Vorbereitung und Kommunikation sind entscheidend.

Behind the Scenes entscheidet über Außenwirkung: Wer Abläufe versteht, liefert bessere Ergebnisse.

Internationale Reitturniere folgen eigenen Regeln: Wer sie kennt und akzeptiert, wird wieder gebucht.

 

 

Fazit

 

Mein erster Einsatz als Turnierfotografin bei einem internationalen Event war – trotz meiner vorherigen Erfahrung im Reitsport – ein Sprung ins kalte Wasser. Kein Spaziergang, sondern harte, lehrreiche Realität. Genau das macht diesen Auftrag so wertvoll. Und ich will wirklich nicht jammern, denn ich habe es geliebt und habe jeden Klick auf den Auslöser genossen und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit erhalten habe!

 

Ich möchte diese Erfahrung teilen, um drei Gruppen etwas mitzugeben:

 

Für Veranstalter: Gute und frühzeitige Kommunikation mit euren Fotografen ist entscheidend. Nur mit transparenten Absprachen, Zeitplänen, Hindernis- und Sponsorenlisten können die Bilder entstehen, die ihr wirklich braucht.

 

Für Nachwuchsfotograf:innen: Der Weg zu internationalen Reitturnieren ist machbar – mit Vorbereitung, Verlässlichkeit und einem klaren Verständnis für professionelle Abläufe hinter den Kulissen.

 

Für Reiter:innen: Wenn Turnierfotografen nicht jeden Ritt fotografieren, liegt das selten an fehlendem Interesse. Die Aufgaben hinter den Kulissen sind umfangreicher, als es von außen oft wirkt.

 

Fortsetzung folgt: In den nächsten Beiträgen geht es tiefer in einzelne Turniere, Abläufe und echte Entscheidungsmomente aus der Eventfotografie im Reitsport.


Reiterin lobt ihr Pferd nach dem Springparcours


Die Vorgeschichte: 👉 In diesem Beitrag teile ich meine Eindrücke und Lieblingsbilder aus meinem ersten, kleineren Auftrag bei der OWL Challenge 2019:


Blog Beitrag Impressionen der OWL Challenge 2019

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