Hinter den Kulissen eines Weltcup-Finales: Reitsportfotografie bei der Partner Pferd Leipzig 2022
- Johanna Milse
- 17. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Jan.
Dieser Beitrag ist Teil 2 meiner Blog-Serie, in der ich meinen Weg in der Reitsportfotografie und meine Erfahrungen bei internationalen Top-Turnieren teile. Nach meinem ersten Einsatz bei der OWL Challenge 2021 geht es diesmal um die FEI World Cup Finals 2022 bei der Partner Pferd in Leipzig – und um die Learnings, die mich bis heute begleiten.
1. Erstes Weltcup-Finale – direkt das höchste Level
Nach meinem ersten Einsatz bei einem internationalen Reitturnier, der OWL Challenge 2021, folgte nur wenige Monate später direkt das nächste große Kapitel: die FEI World Cup Finals 2022 bei der Partner Pferd in Leipzig.
Wieder war es eine besondere Konstellation: Ein Fotograf aus dem Stammteam der Eventagentur stand nicht zur Verfügung – und ich bekam die Möglichkeit, erstmals ein Weltcup-Finale im Pferdesport fotografisch zu begleiten. Ich war mächtig stolz und sehr froh über diese Möglichkeit.

2. Arbeiten im Team mit Profi-Fotografen
Bei der OWL Challenge 2021 war ich als Turnierfotografin komplett allein im Einsatz. Bei den FEI World Cup Finals 2022 in Leipzig sah das ganz anders aus: Das Programm war deutlich umfangreicher und die Highlights folgten Schlag auf Schlag, deshalb wurde die fotografische Berichterstattung im Team organisiert.
Ich arbeitete gemeinsam mit einem sehr erfahrenen Profi-Fotografen, zusätzlich gab es einen weiteren Fotografen mit Fokus auf Social Media. Darüber hinaus waren zahlreiche Pressefotograf:innen und Videograf:innen für redaktionelle Medien vor Ort. Insgesamt bewegten sich schätzungsweise 40 Medienbeauftragte im Pressebereich der Partner Pferd.
Die Aufgaben waren klar verteilt: Mein Teamkollege übernahm hauptsächlich den Sport in der Arena, während mein Schwerpunkt auf der Dokumentation lag, das heißt Bandenwerbung, Videowalls, Messestände (sowohl in der Messehalle als auch in der Glashalle), Pressekonferenzen sowie zahlreiche Rahmenveranstaltungen wie Interviews, Pressegespräche, Meet & Greets und Ehrungen außerhalb der Arena.
Für den Sport war ich ergänzend als Second Shooter eingeplant, für andere Blickwinkel oder zur Entlastung bei sehr langen Tagen. Gerade bei Prüfungen, die sehr früh morgens anfingen oder spät abends oder sogar erst nach Mitternacht endeten, haben wir uns abgesprochen. In einzelnen Fällen habe ich Siegerfotos übernommen und diese auch an andere Fotograf:innen aus dem Pressepool weitergegeben. Auf diesem Niveau ist kollegiale Zusammenarbeit selbstverständlich und enorm wertvoll.

Ein weiterer großer Vorteil der Teamarbeit: Man hilft sich gegenseitig mit Equipment. Ob Ersatzakku, Aufsteckblitz oder Objektiv – im Ernstfall ist man sehr froh über kurze Wege und offene Koffer. Besonders dankbar war ich für die Möglichkeit, mir kurzfristig ein Weitwinkelobjektiv zu leihen, das ich für eine Totale der gesamten Arena dringend benötigte und damals noch nicht selbst im Repertoire hatte.

Und nicht zuletzt: Ich konnte einem echten Profi über die Schulter schauen – und dabei unglaublich viel lernen. Genau diese Mischung aus Verantwortung, Austausch und Vertrauen macht die Arbeit bei internationalen Reitturnieren so besonders.
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3. Neue Disziplinen – neue fotografische Herausforderungen
Springreiten und Dressur gehörten bereits zu meinem fotografischen Alltag. Mit den Weltcup Finals kamen jedoch mit Voltigieren und Fahren zwei Disziplinen hinzu, die mich technisch noch einmal ganz anders gefordert haben.
Voltigieren fotografieren
Voltigieren war für mich die größte Umstellung. Während man beim Springreiten den idealen Moment über dem Sprung sucht und sich in der Dressur auf die optimale Bewegung des Pferdes konzentriert, liegt der Fokus beim Voltigieren ganz klar auf den Athlet:innen.

Hier muss man antizipieren, wann eine Figur ihre perfekte Phase erreicht, gleichzeitig aber auch darauf achten, dass das Pferd in einer passenden Galopp-Phase ist. Zusätzlich darf nichts abgeschnitten sein: Hände, Füße, Körperlinien – alles muss vollständig im Bild sein. Und idealerweise ist auch noch das Sponsorenlogo auf der Bande sichtbar.
Da sich die Voltigierer oft sehr schnell bewegen, habe ich meine Kameraeinstellungen angepasst. Während ich bei Pferden meist mit Einzelfeld-Autofokus und Erweiterung arbeite, habe ich beim Voltigieren den AF-Bereich deutlich vergrößert und die automatische Motiverkennung für Tiere und Menschen aktiviert. Ohne diese Anpassung wäre die Trefferquote deutlich geringer gewesen.
Fahren im Weltcup-Format
Das Weltcup-Fahren hat mich überrascht – und begeistert. Ich hatte diese Disziplin zuvor noch nie live erlebt und war beeindruckt von der Geschwindigkeit, Präzision und Dynamik der Gespanne. Und diese unglaubliche Stimmung in der Halle muss man unbedingt erlebt haben!

Fotografisch lohnt es sich hier, bewusst mit Blende, Brennweite und Verschlusszeit zu spielen:
Detailaufnahmen mit offener Blende und schneller Verschlusszeit
dynamische Gesamtbilder mit leicht geschlossener Blende
und gezielte Mitzieher mit deutlich reduzierter Verschlusszeit
Gerade die Mitzieher transportieren die enorme Geschwindigkeit und Energie dieser Disziplin besonders gut – ein wichtiger Aspekt für aussagekräftige Turnierfotos im Pferdesport.

4. Logistik & Regeln – warum Vorbereitung alles ist
Bei einem Event dieser Größenordnung ist nicht nur das Fotografieren selbst entscheidend, sondern vor allem die Kenntnis der Abläufe und Regeln.
Wege & Orientierung
Die Partner Pferd ist weitläufig, und die Wege zwischen Arena, Pressebereich, Messehalle und Glashalle können auf Dauer sehr lang werden. Daher muss man sich alle relevanten Wege schnell einprägen. Für akkreditierte Fotograf:innen gibt es einige Abkürzungen, die enorm Zeit sparen – besonders dann, wenn die Halle ausverkauft ist und sich tausende Zuschauer durch die Gänge bewegen.
Positionierung & Zugang
Die Arena selbst ist für Fotograf:innen grundsätzlich tabu. Ausnahmen gibt es nur bei Siegerehrungen – und auch dann nur für ausgewählte Fotograf:innen mit zusätzlicher Fotografennummer zur Akkreditierung.

Für Foto- und Videograf:innen stehen während der Prüfungen definierte Bereiche an den kurzen Seiten der Halle zur Verfügung. Als Fotografin des Veranstalters hatte ich zusätzlich Zugang zu allen Tribünen inklusive VIP-Bereich, wobei Rücksichtnahme gegenüber den Zuschauer:innen oberste Priorität hatte.
Rücksicht auf TV & klare Regeln
Besonders bei Siegerehrungen, die live im Fernsehen übertragen werden, gelten strenge Regeln. Fotograf:innen müssen hinter der sogenannten Blumenlinie bleiben – einer Linie aus Blumenkästen, die nicht überschritten werden darf. Wer zu spät kommt oder die Position verlässt, bleibt draußen.
Diese Regeln sind nicht verhandelbar.

5. Meine wichtigsten Learnings aus dem Weltcup-Finale
Ich bin mit wenig internationaler Erfahrung direkt in ein Weltcup-Finale gestartet und habe sehr schnell gelernt, dass es kein Platz für Experimente ist, aber es ist ein Ort, an dem man unglaublich viel lernen kann. Viele Abläufe sind eng getaktet, Entscheidungen müssen schnell getroffen werden und manche Situationen ergeben sich nur ein einziges Mal. Gerade deshalb war dieser Einsatz für mich so wertvoll.

Ich habe vor allem gelernt, dass Erfahrung in der Reitsportfotografie weit über Technik hinausgeht. Es geht darum,
die Abläufe eines internationalen Reitturniers zu verstehen und mitzugehen
Prioritäten richtig zu setzen – zwischen Sport, Presse und Sponsoren
auch unter Druck ruhig, respektvoll und professionell zu bleiben
und die eigenen Grenzen realistisch einzuschätzen, ohne sich selbst klein zu machen
Die Erfahrungen, die ich bei diesem Event sammeln durfte, geben mir bis heute Sicherheit um viele Entscheidungen intuitiv zu treffen.
Mein Fazit: Man muss nicht alles können, bevor man auf diesem Level arbeitet. Aber man sollte bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, zuzuhören, mitzudenken und aus jeder Erfahrung zu wachsen.

Hier geht's zu 1. Teil meiner Serie:
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