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Pferdefotografie im Viereck: So machst du ausdrucksstarke Dressurbilder

vor 6 Tagen
12 Min. Lesezeit

Elegante Bewegungen, feine Hilfengebung, die Harmonie zwischen Pferd und Reiter, Ausdruck und Emotionen: Die Dressurfotografie hat für mich einen ganz besonderen Reiz. Gleichzeitig stellt sie uns als Turnierfotografen vor andere Herausforderungen als die Fotografie im Springsport.


Während Springfotos häufig von Kraft, Dynamik und spektakulären Momenten über dem Sprung leben, stehen in der Dressur Eleganz, Ausdruck und Harmonie im Mittelpunkt. Es geht darum, Bewegungsabläufe zu verstehen, den richtigen Augenblick abzupassen und das Pferd möglichst ausdrucksstark in Szene zu setzen.


Turnierfoto von einem galoppierenden Pferd aus einer Siegerehrung mit Siegerdecke und Schleife

Dabei reicht es nicht, ein scharfes und korrekt belichtetes Foto aufzunehmen. Ein wirklich gelungenes Dressurbild zeigt eine besondere Bewegungsphase, fängt die Ausstrahlung des Pferdes ein und lässt die Harmonie zwischen Pferd und Reiter sichtbar werden.


In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen aus der Turnierfotografie und zeige dir, worauf ich bei der Positionierung im Viereck, beim Timing, bei der Wahl der Motive und bei der technischen Umsetzung besonders achte.



1. Was macht ein gutes Dressurfoto aus?

Für ein gutes Dressurfoto geht es darum, die Bewegung zu verstehen, den Ablauf der Prüfung im Blick zu behalten und vorauszuahnen, wann ein besonders ausdrucksstarker Moment entstehen könnte.

Ein technisch perfektes Foto kann trotzdem wenig Wirkung haben, wenn das Pferd gerade in einer ungünstigen Bewegungsphase ist, der Ausdruck nicht stimmt oder der Bildausschnitt unruhig wirkt.


Besonders wichtig sind für mich drei Dinge:


  • Ausdruck und Harmonie: Pferd und Reiter sollten möglichst harmonisch zusammenwirken. Die Haltung des Pferdes, seine Ausstrahlung und die Körpersprache des Reiters beeinflussen maßgeblich, wie ein Bild auf den Betrachter wirkt.

  • Bewegung und Körperhaltung: Nicht jede Bewegungsphase ist gleich fotogen. Eine ausdrucksstarke Verstärkung, eine kraftvolle Passage oder eine ausbalancierte Piaffe stellen unterschiedliche Anforderungen an den richtigen Auslösezeitpunkt. Wer die Lektionen kennt, kann gezielter auf den Moment warten, in dem die Bewegung besonders schön zur Geltung kommt.

  • Bildgestaltung: Ein gutes Motiv braucht auch einen passenden Bildausschnitt, einen ruhigen Hintergrund und eine Perspektive, die das Pferd vorteilhaft zeigt. Gerade im Turniersport lässt sich die Umgebung nicht immer frei gestalten. Umso wichtiger ist es, bewusst zu entscheiden, was im Bild zu sehen sein soll – und was möglichst nicht.


Je besser ich die jeweilige Lektion und den Ablauf einer Prüfung einschätzen kann, desto leichter fällt es mir, diese drei Aspekte miteinander zu verbinden.



2. Timing: Den richtigen Moment erkennen

Für ein Dressurfoto im perfekten Moment, was zusätzlich Ausdruck und Eleganz vermittelt, hilft es, nicht ausschließlich auf das Pferd zu reagieren, sondern die Bewegung vorauszudenken. Wenn ich weiß, welche Lektion als Nächstes kommt und wie sich das Pferd dabei bewegt, kann ich mich auf den entscheidenden Moment vorbereiten.


Die Prüfung kennen – ein echter Vorteil

Wenn ich die Aufgabe kenne, kann ich mich gezielt auf die Lektionen vorbereiten, die ich fotografieren möchte.

Gerade der starke Trab auf der Diagonalen gehört zu den Motiven, die bei einer Dressurprüfung nicht fehlen dürfen. Viele Reiter wünschen sich genau diese Bilder, und sie sind aus gutem Grund ein Klassiker der Dressurfotografie.

Trotzdem möchte ich mich nicht ausschließlich darauf verlassen. Denn eine gute Bildserie lebt von Abwechslung. Und die entsteht, wenn ich nicht nur die bekannten Höhepunkte fotografiere, sondern auch andere Bewegungen und besondere Momente im Blick behalte.


Ausdrucksstarkes Turnierfoto von einem Dressurpferd in der Trabverstärkung


3. Positionierung im Viereck: Wo fotografiere ich am besten?

Im Springsport geben Hindernisse, Linien und Distanzen häufig klare Anhaltspunkte für die Positionierung. In der Dressur verteilt sich das Geschehen dagegen über das gesamte Viereck. Das macht die Wahl des Standorts zu einer wichtigen strategischen Entscheidung.

Natürlich hängt die ideale Position auch von der jeweiligen Prüfung, den örtlichen Gegebenheiten und den Regeln des Veranstalters ab. Trotzdem habe ich über die Zeit einige Erfahrungen gesammelt, die mir bei der Orientierung helfen.


Wenn du die Aufgabe kennst

Kennst du die Aufgabe, kannst du deine Position gezielter wählen. Du weißt, wo bestimmte Lektionen stattfinden und wann das Pferd welche Bahnlinie entlangkommt.

Das hilft dir nicht nur dabei, den richtigen Moment abzupassen. Du kannst auch besser einschätzen, welche Brennweite sinnvoll ist und wie viel Zeit du für die Bildgestaltung hast.

Spätestens bei einer Kür wird die Planung allerdings anspruchsvoller. Die Musik, die individuelle Choreografie und überraschende Linienführungen machen den Ablauf weniger vorhersehbar. Hier sind volle Aufmerksamkeit, ein gutes Gefühl für die Bewegung und manchmal auch ein bisschen Glück gefragt.

Mein Tipp: Versuche nicht, jede Situation von einem einzigen Standort aus perfekt fotografieren zu wollen. Überlege dir lieber vorher, welche Motive dir besonders wichtig sind und welche Position dir dafür die besten Chancen bietet.


Die kurze Seite bei A als Ausgangspunkt

Wenn ich die Aufgabe nicht kenne und trotzdem möglichst viele wichtige Motive erwischen möchte, hat sich für mich die kurze Seite bei A als guter Ausgangspunkt erwiesen (oder etwas flexibler betrachtet: der Bereich zwischen den Bahnpunkten K, A und F). Von dort lassen sich viele Situationen gut fotografieren, ohne dass ich mich während der Prüfung ständig neu positionieren muss.



4. Mehr als nur der starke Trab: Abwechslungsreiche Dressurmotive

Der starke Trab auf der Diagonalen ist ein Klassiker und deshalb ein Must-Have. Gleichzeitig wirkt eine Fotogalerie aus Trabverstärkungen eintönig und es lohnt sich, darüber hinauszudenken, wenn wir Dressurfans mit unserer Fotografie begeistern möchten.


Gefüllter Reitplatz mit vielen Dressurpferden beim freien Training

Ich versuche deshalb, bewusst nach weiteren Momenten Ausschau zu halten. Dazu können je nach Prüfung und Situation beispielsweise gehören:

  • Versammelte Lektionen: Passage, Piaffe oder andere anspruchsvolle Bewegungsabläufe, bei denen Kraft, Balance und Ausdruck besonders sichtbar werden.

  • Galoppmomente: Der ausdrucksstarke Mittelgalopp funktioniert oft sehr gut. Aber auch der versammelte Galopp kann bei vielen Pferden ausgesprochen schön aussehen.

  • Grußauftellung und Ausritt: Der Moment in dem der Reiter nach der Grußaufstellung die Zügel lang lässt und sich beim Pferd bedankt, da lassen sich oft noch schöne Emotionen einfangen. Genauso wie beim Ausritt aus dem Viereck wenn die Reiter und Pferde auf ihr Pfleger und Trainer treffen.

  • Besondere Perspektiven: Ein anderer Blickwinkel kann einem bekannten Motiv eine völlig neue Wirkung geben. Hier kann man zum Beispiel mit Licht spielen (Streiflicht, Gegenlicht), eine hohe oder niedrige Position einnehmen oder auch ganz gezielt einen Vordergrund in das Bild einbauen (z.B. Blumen-Deko, Bäume & Sträucher oder Zuschauer).

  • Motive die das Pferd ausmachen: Je nach Situation entstehen auch außerhalb der klassischen Höhepunkte schöne Bilder, die den Charakter oder individuellen Besonderheiten des Pferdes zeigen. Stell dir ganz bewusst die Frage, was dir an dem jeweiligen Pferd besonders gut gefällt. Ist es der schöne Hals, die perfekten Zöpfe, wie das Fell in der Sonne glitzert, eine ganz besondere Blesse oder ein traumhaft voluminöser Schweif? - es lohnt sich hiervon ganz gezielte Detail-Aufnahmen zu machen.


Braunes Dressurpferd im Schritt im Gegenlicht

Welche Motive sich eignen, hängt natürlich von der Prüfung und dem jeweiligen Pferd ab. Nicht jede Lektion ist von jedem Standort aus gut zu fotografieren, und nicht jedes Pferd zeigt dieselbe Bewegung auf dieselbe Weise.

Gerade deshalb finde ich es spannend, eine Prüfung nicht nur nach einer Liste bekannter Motive abzuarbeiten. Wer aufmerksam beobachtet, entdeckt häufig zusätzliche Möglichkeiten, die eine Galerie individueller machen.

Das ist nicht nur für die Reiter interessant, sondern auch für die eigene fotografische Entwicklung. Es fordert uns dazu heraus, genauer hinzusehen und bewusster zu gestalten.



5. Perspektive und Bildausschnitt: Wie kommt das Pferd am besten zur Geltung?

Ein seitlicher Blick kann eine Verstärkung sehr gut zur Geltung bringen, weil sich die gesamte Silhouette des Pferdes erkennen lässt. Ich persönlich bevorzuge aber nach Möglichkeit eine leicht schräge Perspektive, weil sie mehr Tiefe vermittelt. Wichtig: leicht schräg auf mich als Fotografin zu und NICHT leicht schräg von mir weg!


Dabei sollte die Perspektive immer zum Motiv passen. Eine ungewöhnliche Position ist nicht automatisch die bessere. Entscheidend ist, ob sie die Bewegung unterstützt und das Pferd harmonisch zeigt.


Der Hintergrund gehört zur Bildgestaltung

Im Turniersport können wir den Hintergrund nur begrenzt beeinflussen. Zuschauer, Richterhäuschen, Banden, Werbebanner und andere Elemente gehören zur Umgebung. Trotzdem lässt sich häufig durch eine kleine Veränderung der eigenen Position viel erreichen.

Achte darauf, welche Elemente hinter dem Pferd liegen. Stören beispielsweise eine Bande, ein Pfosten oder ein unruhiger Zuschauerbereich die Silhouette? Gibt es eine Richtung, aus der der Hintergrund ruhiger wirkt?

Schon wenige Schritte können einen Unterschied machen. Auch die Wahl der Brennweite und der Blende beeinflusst, wie deutlich der Hintergrund wahrgenommen wird.

Wichtig ist mir dabei, das Pferd nicht einfach nur freizustellen. Der Hintergrund darf durchaus zeigen, dass das Bild auf einem Turnier entstanden ist. Er sollte das Motiv aber unterstützen und nicht von ihm ablenken.


Dressurpferd in der Trabverstärkung auf der Diagonalen im Viereck bei einer S-Dressur

Hintergrund der das Turnierfoto unterstützt:

  • Eine geschlossen vollbesetzte Zuschauertribüne (Jackpot!)

  • Etwas was das Turnier ausmacht (z.B. ein Banner über dem Einritt, eine markante Skyline, ein bestimmtes Gebäude, ein typisches Zelt)

  • Natur (schöne Bäume, Wiesen & Felder die Weite und Tiefe erzeugen und das Motiv freistellen)

  • Richterhäuschen & Blumendeko am Viereck


Hintergrund der vom Motiv ablenkt:

  • Mülleimer, Notausgangsschilder, Pommes- oder Bier-Buden

  • Einzelne wenige Zuschauer mit auffälliger Kleidung

  • Flutlichtmasten und Metallgestänge die so unglücklich hinter dem Motiv sind, dass sie auf dem Bild erscheinen, als würden sie aus dem Pferd „herauswachsen“

  • Traktoren oder andere Fahrzeuge



6. Kameraeinstellungen und Ausrüstung für die Dressurfotografie

Welche Kameraeinstellungen sinnvoll sind, hängt u.a. von den Lichtverhältnissen, der Brennweite und der gewünschten Bildwirkung ab. Eine einzige Einstellung, die für jede Dressurprüfung funktioniert, gibt es deshalb nicht. Aber ich verrate euch gerne, welche Faktoren ich berücksichtige um meine Einstellungen zu wählen.


Die Verschlusszeit: Bewegung kontrollieren

Die Verschlusszeit ist einer der wichtigsten Faktoren, wenn ich Bewegungen scharf abbilden möchte. Auch in der Dressur bewegen sich Pferde dynamisch. Die Verschlusszeit sollte ausreichend kurz sein, um die Bewegung einzufrieren.

Ich empfehle deshalb 1/800 sec oder schneller. Mit 1/1000 - 1/1250 sec ist man meistens auf der sicheren Seite.


Blende und ISO: Das Licht sinnvoll nutzen

Die Blende beeinflusst sowohl die Lichtmenge als auch die Schärfentiefe. Eine offene Blende kann helfen, den Hintergrund ruhiger erscheinen zu lassen und bei schwierigen Lichtverhältnissen genügend Licht auf den Sensor zu bekommen.

Ich fotografiere in den meisten Fällen mit einer Blende von f2.8. Manchmal f3.2 oder f3.5.

Die ISO-Einstellung passe ich an die vorhandenen Lichtverhältnisse an. Gerade in Hallen kann es notwendig sein, die ISO zu erhöhen, um eine ausreichend kurze Verschlusszeit zu erreichen. Ein etwas sichtbares Bildrauschen ist für mich in vielen Situationen besser als ein durch Bewegungsunschärfe unbrauchbares Foto.


Die Reitsportfotografie in der Reithalle bringt nochmal ganz andere Herausforderungen mit sich, als die Outdoor-Fotografie bei Tageslicht. Deshalb habe ich speziell für die Fotografie in der Reithalle einen eigenen Beitrag verfasst. Mit folgendem Link kommst du direkt dorthin:


Banner zum Blog-Beitrag zur Reitsportfotografie in der Reithalle

Autofokus und Serienbild

Ein zuverlässiger Autofokus hilft dabei, das Pferd während der Bewegung im Schärfebereich zu halten. Kontinuierliche Autofokusmodi – bei Canon beispielsweise Servo AF – sind dafür ein Muss.

Auch die Serienbildfunktion kann sinnvoll sein, um unterschiedliche Phasen einer Bewegung festzuhalten. Sie sollte aber kein Ersatz für das richtige Timing sein. Eine hohe Bildrate garantiert nicht, dass der entscheidende Moment dabei ist.


Welche Ausrüstung brauche ich?

Für die Dressurfotografie ist eine Kamera hilfreich, die einen zuverlässigen Autofokus, eine gute Serienbildfunktion und eine solide Leistung bei den zu erwartenden Lichtverhältnissen bietet. Ein sehr vorteilhaftes Feature wäre ein leiser oder elektronischer Auslöser um die Konzentration der Pferde nicht zu stören!

Besonders wichtig ist außerdem ein passendes Teleobjektiv. Welche Brennweite sinnvoll ist, hängt von der Größe des Vierecks und den geltenden Vorgaben des Veranstalters ab. Mit einem 70-200er, dem Klassiker der Pferdefotografie, kann man in den meisten Fällen sehr gute Ergebnisse erzielen.

Insbesondere bei Hallenprüfungen ist eine lichtstarke Optik oft von Vorteil (wie z.B. eine durchgehende Blende von f2.8).

Du brauchst allerdings nicht zwingend das teuerste Equipment, um ausdrucksstarke Dressurbilder aufzunehmen. Entscheidend ist, dass du deine Ausrüstung kennst und weißt, wie du sie an die jeweilige Situation anpasst.


Turnierfoto von einem Pferdekopf mit roter Schleife in der Siegerehrung


7. Weniger auslösen, bewusster fotografieren

Gerade am Anfang neigt man in der Turnierfotografie dazu, sehr viele Bilder aufzunehmen. Schließlich könnte hinter der nächsten Bewegung, dem nächsten Schritt oder der nächsten Lektion ein besonders schöner Moment stecken.

Ich kenne diesen Gedanken gut. Mit der Zeit habe ich allerdings gemerkt, dass eine große Anzahl an Bildern nicht automatisch zu einer besseren Ausbeute führt. Im Gegenteil: Wer sehr viel fotografiert, produziert auch sehr viele ähnliche Aufnahmen. Die anschließende Bildauswahl wird aufwendiger und der Workflow in der Nachbearbeitung verlangsamt sich deutlich.

Heute finde ich es deutlich sinnvoller, mir vor einer Prüfung zu überlegen, welche Motive ich unbedingt fotografieren möchte. Ich beobachte die Bewegung, achte auf die Positionierung und versuche, den passenden Moment gezielt abzupassen.

Das bedeutet nicht, dass ich nur wenige Bilder machen möchte oder jede Situation perfekt planen kann. Unerwartete Momente gehören zum Turniersport dazu. Aber ich möchte nicht darauf hoffen müssen, dass unter einer möglichst großen Menge an Aufnahmen zufällig ein gutes Bild dabei ist.


Mein Ansatz: lieber bewusst auf einen starken Moment warten, als wahllos auf Masse zu setzen.


Das hilft mir nicht nur beim Fotografieren selbst. Es macht auch die spätere Bildauswahl effizienter und sorgt dafür, dass ich mich intensiver mit den einzelnen Motiven auseinandersetze.


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Pinterest Pin zum Beitrag Geschenkideen für Pferdefotografen

8. Bildauswahl und Bildbearbeitung: Die natürliche Wirkung erhalten

Nach dem Fotografieren beginnt die nächste wichtige Aufgabe: die Bildauswahl. Nicht jedes technisch gelungene Foto ist automatisch ein Bild, das ich später in einer Galerie zeigen möchte.

Ich achte sehr akribisch darauf, welche Aufnahmen die Bewegung am besten wiedergeben und wo Pferd und Reiter harmonisch und ausdrucksstark wirken.


Da ich selbst Reiterin bin, ist mir bewusst, dass es zwar ein hohes Ziel ist, die Aufgabe harmonisch, leicht und tänzerisch aussehen zu lassen, aber es bedeutet auch sehr viel Anstrengung, Arbeit und volle Konzentration, die aber wiederum im Idealfall unsichtbar sein soll. Deshalb werden bei meiner Selektion sehr viele Bilder aussortiert bei denen zu viel Anstrengung zu sehen ist. Dazu zählen z.B. zu enge Ganaschen, ein verstelltes Genick oder ein Nasenrücken hinter der Senkrechten ist, offenes Pferdemaul (leider kann man auf einem Foto eine positive Maulaktvität von einem wehrigen Aufsperren des Mauls kaum unterscheiden), anstehender oder auch auffällig durchhängender Kandarrenzügel und auch offensichtliche Anstrengung in der Körperbewegung oder im Geischtsausdruck des Reiters.


Wenn nach der strengen Slektion weiterhin mehrere Aufnahmen nahezu identisch sind, entscheide ich mich für die Variante mit dem stärksten Ausdruck, der besten Körperhaltung und dem stimmigsten Bildausschnitt. So entsteht eine Galerie, die abwechslungsreich ist und trotzdem eine klare Linie hat.


Randmoment bei einem Turnier: Dressurreiterin küsst ihr Pferd auf die Nase

Natürlichkeit statt übertriebener Bearbeitung

Bei der Bearbeitung möchte ich die Wirkung des Motivs unterstützen, nicht verfälschen. Belichtung, Weißabgleich, Kontrast und Farben sollten so abgestimmt sein, dass das Pferd natürlich wirkt und die Atmosphäre der Prüfung erhalten bleibt.

Gerade bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen kann es notwendig sein, Farben und Helligkeit zu korrigieren. Dabei achte ich darauf, dass Fellfarben glaubwürdig bleiben, helle Partien nicht unnötig ausfressen und dunkle Bereiche genügend Zeichnung behalten. Quick-Tipp: wenn du in RAW fotografierst hast du hierfür in der Nachbearbeitung deutlich mehr Möglichkeiten.

Auch der Bildausschnitt kann in der Nachbearbeitung noch angepasst werden. Trotzdem versuche ich, bereits beim Fotografieren möglichst bewusst zu gestalten. Das spart Zeit und hilft mir, eine konsistente Bildsprache zu entwickeln.

Quick-Tipp: für ein harmonisches Bild empfiehlt es sich, im Bildausschnitt etwas mehr Platz zu der Seite zu lassen, in die sich das Pferd hinbewegt. Damit es nicht so erscheint als würde das Pferd aus dem Bild herauslaufen.


Dressurpferd im starken Galopp im Dressurviereck

Mein Fazit: Gute Dressurfotografie beginnt mit Beobachtung

Für mich besteht die Herausforderung in der Dressurfotografie darin, Technik, Timing und Bildgestaltung miteinander zu verbinden. Es reicht nicht, die Kamera sicher zu beherrschen. Man muss auch verstehen, was im Viereck passiert, welche Bewegungen besonders ausdrucksstark sind und wie sich diese fotografisch am besten festhalten lassen.

Die Prüfungsaufgabe zu kennen, den eigenen Standort bewusst zu wählen und über die klassischen Motive hinauszudenken, sind dabei wichtige Schritte. Ebenso entscheidend ist es, nicht einfach möglichst viele Bilder zu produzieren, sondern gezielt auf die Momente zu warten, die eine Aufnahme besonders machen.

Und genau das ist für mich das Schöne an der Dressurfotografie: Selbst wenn man eine Lektion schon unzählige Male fotografiert hat, gibt es immer wieder neue Perspektiven, besondere Pferde und unerwartete Momente zu entdecken.


Kennst du schon meinen Etsy-Shop? Ich möchte gerne meine Erfahrung aus der Pferde- und Turnierfotografie mit euch teilen - zum einen in meinen Blog-Beiträgen und zum anderen in übersichtlichen digitalen Produkten zum Download. Diese Produkte findet ihr auch in meinem Etsy-Shop. Da das Thema Turnierfotografie sehr nischig ist und sich mein Shop noch im Aufbau befindet, braucht es noch ein bisschen Traffic und ich würde mich sehr freuen wenn ihr mal vorbeischaut.


Häufige Fragen zur Dressurfotografie (FAQs)

1. Wo positioniere ich mich als Fotograf am Dressurviereck am besten?

Die kurze Seite bei A ist der ulitmative Spot der für fast jede Prüfung gut funktioniert. Je nachdem auf welchen Diagonalen die Trabverstärkungen geritten werden, kann man von A aus nach rechts oder links in die Ecken gehen, oder bis zu den Bahnpunkten K oder F. Die Emotion Shots bekommt man eher hinter den Richtern bei C oder auf der Höhe von H oder E (vorausgesetzt der Reiter reitet nach der Grußaufstellung links herum).

  • Im Trab: Fotografiere in der maximalen Schwebephase, wenn die Beine des Pferdes ein symmetrisches, offenes „V“ bilden.

  • Im Galopp: Warte auf die Phase, in der sich das Pferd in der Aufwärtsbewegung (Bergauf-Tendenz) befindet und die Vorhand maximal angehoben ist.


Während Springfotos von Action, Höhe und Dynamik leben, geht es in der Dressur um Eleganz, Takt und Harmonie. Springfotografie ist insofern etwas einfacher als durch die Hinderniss die Wege vorhersehbar sind. In der Dressur hingegen musst du das gesamte Viereck im Blick behalten und die Lektionen der jeweiligen Aufgabe kennen.

Bewege dich langsam, vermeide hektische Gesten und trage unauffällige Kleidung. Nutze (wenn deine Kamera es anbietet) den lautlosen elektronischen Verschluss, um das Klickgeräusch zu eliminieren. Wenn ein Pferd besonders sensibel reagiert, stelle dich dicht zu anderen Zuschauern, um optisch mit der Masse zu verschmelzen.

Nutze eine kurze Belichtungszeit von mindestens 1/800 Sekunde (besser 1/1000 oder schneller), um die Bewegung der Pferdebeine scharf einzufrieren. Wähle eine offene Blende (z. B. f/2.8 oder f/4), um den oft unruhigen Hintergrund am Turnierplatz in einer schönen Unschärfe (Bokeh) verschwinden zu lassen. Eine schnelle Reihenaufnahme erhöht die Treffequote für die Trabverstärkung erheblich. Und wähle nach Möglichkeit einen lautlosen Verschluss um die Konzentration der Pferde nicht zu stören.

Ein Telezoom-Objektiv wie ein 70-200mm f/2.8 ist der absolute Allrounder, da du flexibel auf Distanzänderungen reagieren kannst. Für sehr große Plätze oder um das Pferd noch besser freizustellen, sind lichtstarke Festbrennweiten wie ein 300mm f/4 oder f/2.8 hervorragend geeignet.


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